Stefan Krüskemper
 
 
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Ein Leben ohne Geld · Kunsthalle Exnergasse · Wien

Heidemarie Schwermer verschenkte 1996 ihre Möbel, gab ihre Wohnung und ihre Praxis als Psychotherapeutin auf und kündigte ihre Krankenversicherung. Seither lebt sie auf der Basis von Geben und Nehmen ohne Geld. Das Video »Ein Leben ohne Geld« des buero für integrative kunst entstand während eines Treffens Interessierter mit Heidemarie Schwermer im Ruhrgebiet.


Die Ausstellung Permanent Produktiv

»›Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.‹ Die Vorstellung vom Künstler, von der Künstlerin, als personifizierter Müßiggang hat sich bis heute bewahrt. Das Bild des autonomen Künstlers, der autonomen Künstlerin, im einsamen Atelier gehört jedoch einer romantisch verklärten Vergangenheit an. KünstlerInnen sind klassische Selbstausbeuter. Heute sind sie Ideen-Pool, ProduzentInnen und PR-AgentInnen in einer Person - ohne soziale Sicherung. So verkörpern sie den Prototyp des Selbstunternehmers, der im Zuge digitaler Umwälzungen den Erwerbsarbeiter ablösen soll. Auch WissenschaftlerInnen, StartUp-ManagerInnen und PolitikerInnen diskutieren in diesem Sinne die Relevanz dieses durchaus problematischen Modells künstlerischer Lebensführung für eine moderne Dienstleistungsgesellschaft. Vor dem Hintergrund der Autonomie der Kunst als humaner Handlungsraum, der einen originären Wert hat, kann Kunst Diskussionen über individuelle und gesellschaftliche Leitbilder anstoßen. Im Sinne dieses Strukturwandels untersucht ›Permanent Produktiv‹ den sich verändernden Arbeitsbegriff anhand eines erweiterten Kunstbegriffs.

Arbeit, Beruf, Karriere, Selbstverwirklichung - die Philosophie des ›Survival of the Fittest‹ - stehen gegenwärtig, wo die Politik des Neoliberalismus unsere New Economy-Gesellschaft zunehmend prägt, Nichtstun, Muße, ehrenamtlicher Tätigkeit und Solidarität scheinbar diametral gegenüber. Arbeit wird als sichtbare, in Kapital umsetzbare Produktivität begriffen. Was aber ist mit den alltäglichen Beschäftigungen, den notwendigen, sinnlosen oder selbstgewählten Betätigungen? Sind sie nur in Kauf genommenes Beiwerk der Effektivität oder vielmehr Keimzelle von Identitätsbildung? Was bedeutet nichts tun in einer Welt der Professionalisierung? ›Permanent Produktiv‹ greift Diskussionen um die Begriffe Arbeit und Freizeit und deren damit einhergehende gesellschaftliche Bewertung auf. Welche Zukunftsperspektiven bietet eine Gesellschaft, in der Arbeit im klassischen Sinne immer weniger wird, dem Individuum? Welche Möglichkeiten und welche Gefahren liegen in der zunehmend positiven Bewertung von Begriffen wie Selbständigkeit, Eigenverantwortung und soziale Kompetenz?

›Permanent Produktiv‹ befasst sich mit künstlerischen Positionen, die diese Begriffe hinterfragen und innovative sowie alternative Modelle des Arbeits- und Produktivitätsbegriffs im gesellschaftlichen Feld entwerfen, wie sie deregulierte Verhältnisse dokumentieren und kritisieren. Das Spannungsfeld der künstlerischen Projekte umfasst unter anderem die Reflexion gegenwärtiger und zukünftiger Arbeitsbegriffe sowie die unmittelbare bzw. modellhafte Gestaltung von gesellschaftlichen Strukturen. Hinzu kommen ein leidenschaftliches Plädoyer für das Nichtstun als regressiver Freiraum der Kreativität, sinnlose Exerzitien des beständigen Übens und Scheiterns, die Analyse obsessiver Handlungsmuster, Beispiele idealistisch motivierter Selbstausbeutung sowie den erwünschten wie unerwünschten Nebenwirkungen von Workaholism und Freizeitstreß.«

Gabriele Mackert und Jeanette Pacher (Kuratorinnen)

Kontext
2004 Gruppenausstellung »Permanent Produktiv«, Kunsthalle Exnergasse, Wien

Weitere Ausstellungen des Beitrags: 2010 »Unbezahlbar«, Gruppenausstellung, Galerie Defet, Nürnberg· 2003 »Streik«, Gruppenausstellung, Westfälischer Kunstverein, Münster · 2002 »Erst die Arbeit«, Gruppenausstellung, ACC Galerie, Weimar · 2002 »Life Policies«, Gruppenausstellung, Galeria Ze Dos Bois, Lissabon

Autoren
buero für integrative kunst - Jörg Amonat, Stefan Krüskemper

Bestandteile
Text und DVD »Ein Leben ohne Geld« 30 Minuten, Deutsch, Portugiesisch, 2002

Links
Download Presseartikel Wien
Download Presseartikel Lissabon

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Wettbewerbe

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Klanginstallation Air Borne · Berlin

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Face to Face · Nürnberg
Medieninstallation · Nürnberg

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