Stefan Krüskemper
 
 

 

Morphoskop · Zürich, Hamburg, Dortmund, Nürnberg

Das »Morphoskop« wird in einem Fernzug ausgehändigt und von den Reisenden gegen die Fahrtrichtung von Platz zu Platz gereicht. Teilnehmer beantworten die Frage ihres Vorgängers und stellen eine eigene Frage, sodass ein fortlaufender Dialog entsteht. Die Reiseprotokolle werden am Zielort im mobilen Büro bearbeitet, verschickt und präsentiert.



Geheime Gespräche unter Bahn-Reisenden
Im Künstlerhaus wurde »Morphoskop« gespielt
(JG) Stellen Sie sich, vor Sie fahren Zug und die Fahrt ist lang und langweilig. Wenn dann zwei Künstler mit einem »Brettspiel« unterm Arm ins Abteil kommen sind Sie einem Experiment vielleicht gar nicht abgeneigt.

Auf diese Weise kam »Morphoskop« ins Rollen- erfunden haben es die Kommunikations-Künstler Stefan Krüskemper und Heidi Sadlowski. Das Prinzip ist einfach: Ein Fahrgast schreibt eine Frage auf die Papierrolle im Morphoskop, reicht das Gerät weiter, sein Nachbar beantwortet die Frage, dreht die Rolle weiter bis die Antwort nicht mehr zu lesen ist und stellt eine neue Frage. Am Ende der Reise ist auf 20 Meter Papier ein anonymes, geheimes Gespräch entstanden, von dem die Künstler ein Protokoll erstellen und dieses auf Wunsch allen die mitgemacht haben, schicken.

Am Wochenende spielte das Duo im Künstlerhaus mit dem Publikum »Morphoskop« und präsentierte die Protokolle der Reisen von Nürnberg nach Zürich und Dortmund. Erstaunlich Philosophisches, Absurdes, auch Banales, aber überwiegend Amüsantes wollten die Menschen von ihrem fremden Gegenüber wissen.

»Glaubst Du, Viren schlafen, wenn ich den Computer abschalte?«, beschäftigte einen Reisenden. »Möchten Sie ein Ritter sein?«, fragte ein anderer, während der nächste wissen wollte: »Für was würdest Du Dich entscheiden, wenn Du zwischen ewigem Frieden und deiner Gesundheit wählen müsstest?«

»Im Zug lassen die Menschen ihren Träumen freien Lauf. Da sind die Gespräche lebendig«, freut sich Heidi Sadlowski. Etwa die Hälfle aller Reisenden hat mitgespielt - rund ein Drittel wollte das Protokoll und damit die Antwort auf die gestellte Frage haben. Man muß übrigens nicht extra Zug fahren, um mitspielen zu können: Seit Freitag gibt es »Morphoskop« auch im Internet unter »www.addon.net/morphoskop« (eingestellt).

Vielleicht wird »Morphoskop« das neue Kultspiel von Single-Reisenden. Den Traumtyp im Abteil hat ein Reisender gefragt: »Werden wir uns wiedersehen?« Die Antwort kam postwendend - per Protokoll aus Nürnberg.

Ruhr Nachrichten vom 08. Februar 1999

Kontext
1998 Gruppenausstellung »Morphing Systems«, KLINIK, Zürich · 1998 Gruppenausstellung »KB1«, Kulturbahnhof, Hamburg · 1999 »Carte Blanche«, Künstlerhaus Dortmund · 1999 Gruppenausstellung »warenzeichen« Nürbanum, Nürnberg

Bestandteile
Aktion, Schreibgerät, Reisetisch, Installation am Ankunftsort

Autoren
Stefan Krüskemper und Heidi Sadlowski

Publikation
»Morphing«, Klinik/morphing systems - Chen, Kobler, Wimmer (Hrsg.), Edition Patrick Frey, Zürich 2000. ISBN: 3-905509-30-x

Links
Download Presseartikel

Wettbewerbe

Kunst bist du! · Zürich-Schule · Berlin
Remix · Duisburg
Klanginstallation Air Borne · Berlin

Marktbrunnen · Chemnitz
Face to Face · Nürnberg
Medieninstallation · Nürnberg

line

Interventionen

Tätig werden. Ein Spiel. · Leipzig
Team Fiction · Cali (co)
Ein schöner Tag · Tokyo (jp)
Leben ohne Geld · Wien (at)
Kirche im Businesspark · Nürnberg
Morphoskop · Zürich (ch)

line

Projekte

Citizen Art Days · Berlin
Superconstellation · Düsseldorf, u.a.
The Intricate Journey · Berlin, u.a.
parkTV · Dessau, u.a.
Arbeit über Arbeit · Nürnberg, u.a.
Der entropische Raum · Nürnberg

© 2000—2014 bei VG Bild-Kunst Bonn für die Werke von Stefan Krüskemper und bei den jeweiligen Künstlern und Autoren